Ich habe eine Blogbekanntschaft. Nicht auf diesem Blog. Auf einem anderen Blog. Auf einem Blog, auf dem ich unter einem anderen Namen schreibe, und auf dem auch meine Blogbekanntschaft unter einem anderen Namen schreibt.

Meine Blogbekanntschaft und ich, wir kennen uns seit über einem Jahr. In diesem Jahr haben wir einiges voneinander erfahren. Zum Beispiel unsere wirklichen Namen. Unsere Namen jenseits des Blogs. Unsere Namen und unsere Berufe. Zum Beispiel.

Und unsere Wohnorte! Meine Blogbekanntschaft wohnt zum Beispiel in Berlin. Zumindest dachte ich das. Ich dachte, dass meine Blogbekanntschaft in Berlin wohnte. Ich war fest davon überzeugt! Bis ich vor einigen Tagen dieses Foto bekam:

Meine Blogbekanntschaft hatte es mir geschickt.
„Solche Zufälle mag ich“, schrieb mir meine Blogbekanntschaft dazu, „das ist die Straße auf der Rückseite meines Häuserblocks“.
Blocks, nicht Blogs. Aber egal.

Meine Blogbekanntschaft lebte gar nicht mehr in Berlin! Meine Blogbekanntschaft war zwischenzeitlich umgezogen!

Während ich also in der Endphase meines Buches steckte, mit den Fahnen und Umbrüchen beschäftigt war, mit dem ersten Umbruch und dem zweiten Umbruch und dem dritten Umbruch und dem vierten … also! In dieser Zeit war meine Blogbekanntschaft in eine andere Stadt gezogen. Ich schrieb, die Bekanntschaft zog!

Und in dieser neuen Stadt schaut meine Blogbekanntschaft nun auf die „Meyerbeer 26“, so schreibt sie, die „ich von meiner Terrasse direkt sehen“ kann.

Wir wollen nicht von Zufällen reden. Denn der Zufall ist ein Irrglaube, wie Herr Groschmann sagt. „Der Zufall“, sagt Herr Groschmann, „ist nur eine Wahrscheinlichkeit, die wir nicht als solche erkannt haben.“ Insofern, so sage ich mir, ist es natürlich ganz normal, dass meine Blogbekanntschaft an einen Ort gezogen ist, von dem aus er direkt auf die Meyerbeer 26 sehen kann.

Alles andere, so sage ich mir, wäre Zufall gewesen.

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