Nicht jede Szene schafft es in ein Buch … Sie erinnern sich. Director’s Cut. Auch die folgende Szene hat es nicht in das Buch geschafft. Obwohl ich diese Szene anfangs sehr schön fand! Später fand ich sie auch noch sehr schön.
Sehr schön, aber sehr … irrelevant.
Daher steht sie nicht im Buch.

Murr

„Wie heißt eigentlich Ihre Katze, Herr Hübner?“, frage ich, als ich wieder ein leises Maunzen höre.
„Meine Katze?“ Herr Hübner sieht mich lange an. „Ach so! Mein Kater! Der heißt Murr“, sagt er schließlich.
„Murr?“ frage ich, etwas perplex.
„Genau“, sagt Herr Hübner.

Der Kater Murr
ist die Hauptfigur des Romans „Lebens-Ansichten des Katers Murr“, den der deutsche Schriftsteller E.T.A. Hoffmann 1819-21 veröffentlichte. In dem Roman beschreibt ein Kater sein eigenes Leben. Der Roman gilt als Parodie auf den klassischen deutschen Entwicklungsroman.

„Der Kater Murr ist mir vor sieben Jahren zugelaufen“, erzählt Kurt Hübner. „Ich hätte ihn beinahe überfahren!

Er saß im Dunkeln mitten auf der Straße. Wie vom Himmel gefallen! Ich kam gerade aus dem Konzerthaus. Und wo ich doch E.T.A. Hoffmann so liebe, da habe ich ihn eben Murr genannt.“
„Sie lieben E.T.A. Hoffmann?“, frage ich. „Ich dachte, Sie lieben die Sterne. Die Sterne und Johannes Kepler!“
„Ich liebe die Sterne“, sagt Kurt Hübner, „und ich liebe Johannes Kepler. Aber ich liebe auch E.T.A. Hoffmann. Das schließt sich nicht aus, Josefine. E.T.A. Hoffmann hat ja sehr viel über das Dunkel geschrieben, über die Nacht. Und über das Unheimliche.“
Wir schauen hinauf zu den Sternen über Weißensee. Es ist sehr still. Ich bin froh, dass ich jetzt nicht allein hier bin.

***

Warum diese Szene?
Auf einer meiner letzten Lesungen fragte mich ein Sprachschüler, ob ich einen Lieblingsort in Berlin hätte. Einen Ort, an dem ich mich besonders gerne aufhielte. Das ist keine einfache Frage! Aber wenn ich einen Ort in Berlin nennen sollte, den ich gern habe, würde ich immer den Gendarmenmarkt nennen.

Ich habe diesen Platz sehr gern. Ein andermal werde ich hier über den Gendarmenmarkt erzählen.

E.T.A. Hoffmann jedenfalls hatte im Juli 1815 nicht weit von seinem Lieblingstheater, dem Königlichen Schauspielhaus (heute Konzerthaus Berlin), in der Charlottenstraße 56, eine Dachgeschosswohnung mit direktem Blick auf den Gendarmenmarkt gemietet. Ich verstehe das!

Wahrscheinlich habe ich deswegen eine Vorliebe für E.T.A. Hoffmann. Weil er am Gendarmenmarkt wohnte. Es könnte aber auch sein, dass ich wegen E.T.A. Hoffmann eine Vorliebe für den Gendarmenmarkt habe! Ich weiß es nicht!

Hier schrieb E.T.A. Hoffmann seine berühmten Erzählungen, die Jacques Offenbach mit seiner Musik später unsterblich machte. Und wer kennt sie nicht! Diese Musik!

Beziehungsweise hier im französischen Original:

Das ist mein E.T.A. Hoffmann vom Gendarmenmarkt in Berlin!

Advertisements