Ewig währt … nichts auf dieser Welt. Nicht einmal ein so berühmtes Bauwerk wie das heutige Konzerthaus Berlin, 1821 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel gebaut; nicht einmal der vor dem Konzerthaus so schön gelegene Gendarmenmarkt.

Zuerst, als in der Berliner Friedrichstadt im Jahr 1688 der „Linden-Markt“ angelegt wurde, gab es auf diesem Platz – etwa so groß wie viereinhalb Fußballfelder – gar nichts. Gar nichts … das war schon damals nicht gut. Daher entstanden 1701 zwei Kirchen: auf der einen Seite des Platzes der Deutsche Dom, auf der anderen Seite der Französische Dom. Der Französische Dom war für die vielen französischen Einwanderer gedacht, die sich hier in Berlin angesiedelt hatten.

Von 1700 bis 1796 hieß der Markt mit den beiden Kirchen dann abwechselnd „Mittelmarkt“, „Friedrichstädtischer Markt“ und „Neuer Markt“. In dieser Zeit wurden zwischen dem Deutschen und dem Französischen Dom Stallungen gebaut: Ställe und Unterkünfte für eines der preußischen Kürassierregimenter. Ein Kürassier sah etwa so aus:

Man nannte sie auch „gens d’armes“, weswegen der Platz seit 1799 Gendarmenmarkt hieß.

Doch bereits 1773 hatte Friedrich II. die Stallungen wieder abreißen und an die Stelle ein kleines französisches Komödientheater bauen lassen. Daraus wurde zwischen 1800 und 1802 ein großes Nationaltheater, das 1817 niederbrannte.

Dann trat Schinkel auf den Plan. Er baute an dieser Stelle das königliche Schauspielhaus, und da hier viel Theater gespielt wurde, hieß der Platz vor dem Schauspielhaus 1871 bis 1936 „Schillerplatz“, dann – während des Nationalsozialismus – wieder „Gendarmenmarkt“. Nach dem Zweiten Weltkrieg sah der Platz so aus:

Als 1950 – gegenüber der Ruine des Schauspielhauses – die Akademie der Wissenschaften wiedereröffnet wurde, benannte die DDR den untergegangenen Gendarmenmarkt kurzerhand in „Platz der Akademie“ um.

Zwischen 1979 und 1984 wurde das Schauspielhaus wieder aufgebaut.

Außen an der Fassade folgte man den Plänen Schinkels, innen konzipierte man neu: aus dem Theater wurde ein Konzerthaus mit zwei Konzertsälen und einem Musikklub.

Als Jugendliche fuhr ich also immer an den „Platz der Akademie“, um im dortigen Schauspielhaus ein klassisches Konzert zu hören. Die Akademie der Wissenschaften befand sich gegenüber, an der Ecke Otto-Nuschke- / Wilhelm-Külz-Straße.

Aber 1991 wurde noch einmal alles anders.

1991 erhielt der Platz vor dem Schauspielhaus zuerst einen seiner älteren Namen wieder: Gendarmenmarkt. Dann ging es an die Straßenumbenennungen: aus der Otto-Nuschke-Straße wurde die Jägerstraße, aus der Wilhelm-Külz-Straße die Markgrafenstraße. Obwohl man weder gegen Otto Nuschke noch gegen Wilhelm Külz wirklich etwas einwenden könnte!

Auch das Schauspielhaus wurde umbenannt, warum, das weiß kein Mensch. Vielleicht, weil man gerade so schön am Umbenennen war? Seit 1998 heißt also das Schauspielhaus nun Konzerthaus Berlin.

Wie schon gesagt: nichts währt ewig. Auch ich werde lernen, das Schauspielhaus Konzerthaus zu nennen. Auch ich werde lernen, den Ostbahnhof, den ich erst jahrelang Hauptbahnhof nennen musste, jetzt wieder Ostbahnhof zu heißen. Alles klar!

Nur diesem jungen Paar auf dem ewig sich wandelnden Gendarmenmarkt, diesem jungen Paar wünsche ich Glück.

Möge es ewig währen!

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