Neulich fragte mich ein Bekannter, der den Blogeintrag vom Freitag, dem
13. April, über die Bremer Stadtmusikanten gelesen hatte, warum man eigentlich manchmal „Gebrüder Grimm“ und manchmal „Brüder Grimm“ zu den Sammlern und Autoren der berühmten „Kinder- und Hausmärchen“ sage.

Darauf gibt es keine eindeutige Antwort! Manchmal sagt man „Brüder Grimm“ und manchmal „Gebrüder Grimm“. So ist es eben!

Allerdings setzt sich heute mehr und mehr die Bezeichnung „Brüder Grimm“ durch. Sie ist moderner. Das Wort „Gebrüder“ ist veraltet.
Ziemlich jedenfalls.

Mit der Vorsilbe Ge- werden sogenannte Kollektiva gebildet. Das hat nichts mit Kollektiv zu tun, sondern es ist ein „sprachlicher Ausdruck, der eine unbestimmte Anzahl gleichartiger Dinge oder Sachverhalte in einer Klasse zusammenfasst.“

Zwei, drei oder vier Brüder können dann also Gebrüder sein.
Oder zwei, drei oder vier Schwestern Geschwister.

Das Deutsche kennt endlose Beispiele für die Bildung von Kollektiva mit der Vorsilbe Ge-.
Zwei, drei oder vier Berge sind zum Beispiel ein Gebirge.
Zwei, drei oder vier Tümpel sind ein Gewässer.
Zwei, drei oder vier Büsche sind ein Gebüsch.
Zwei, drei oder vier Äste sind Gehölz.
Und zwei, drei oder vier Würmer ist Gewürm.

Früher kannte man auch das hübsche Wort Gebübe (viele Buben). Schade, dass wir diese Wörter kaum mehr kennen! In diese Kategorie fallen auch die Kollektiva Gebette (das Bettzeug) und Gedüfte (viele Düfte).

Anderes wiederum ist uns auch heute noch sehr geläufig. Dazu zählen unter anderem die Kollektiva: Gedärm, Gelüst, Gebäck, Gebein, Gerippe, Gestein und Geblüt.

Dagegen mag weniger bekannt sein, dass auch das schöne Wort Gemüse ein Kollektivum ist, denn „mus“ bedeutete früher „Speise“. Oder Geflügel, das auf „Vogel“ und „Flügel“ zurückgeht. Und so fort!

Man könnte nach diesem Muster zahlreiche neue Wörter vorschlagen, warum nicht!
„Ich bin beeindruckt von Deinem Gebuch„, könnte man sagen, wenn man die Bibliothek eines lieben Freundes betritt. Und: „Ich liebe Dein langes Gewimper“ flüstern, wenn man die Freundin in den Arm nimmt. Wenn nicht andere Sachen!
Finden Sie nicht?

(typisches Madrider Gebrill)

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