Eigentlich ist es ja eine gute Sache: Brücken zu schlagen.

Hermann_Rückwardt_-_Brommybrücke_(1910)

Brücken zu schlagen und Mauern einzureißen.

Mauerfall

Eigentlich sind das Sachen, die Menschen verbinden. Menschen, die an zwei verschiedenen Ufern leben, in zwei verschiedenen Stadtteilen, in zwei verschiedenen Ländern.

Derzeit geschieht in Berlin jedoch etwas ganz anderes. In Berlin gibt es derzeit Proteste, weil eine Mauer eingerissen und eine Brücke geschlagen werden soll.

Protest

Grund für den Protest: bei der Mauer handelt es sich um die East Side Gallery. Das ist natürlich ein Kunstwerk. Und ein Kunstwerk kann man nicht so einfach einreißen.

Doch die Angelegenheit ist vielfältig.
Erstens: Die East Side Gallery soll nur stellenweise versetzt werden. Um Abriss handelt es sich also gar nicht.
Zweitens: Teile der East Side Gallery sollen versetzt werden, damit der Zugang zur Brommybrücke gesichert werden kann.
Drittens: Die Brommybrücke über die Spree, erbaut 1907 und zerstört 1945, soll endlich wieder aufgebaut werden.
Viertens: All diese Tatsachen sind schon länger bekannt.

Tja. Aber eines ist es, diese Tatsachen zu kennen. In der Theorie mag sich das sogar ganz schick anhören. Mauerversetzung. Brückenschlag.

Doch ein anderes ist es, wenn plötzlich große Maschinen anrücken, um Teile der East Side Gallery zu entfernen.

Abbau an der East Side Gallery

Damit haben die Planer nicht gerechnet, den symbolischen Wert einer solchen Aktion haben sie einfach nicht bedacht.
So geht es nicht.
Jetzt sind die Planer und Bauherren sauer, und die Künstler der East Side Gallery sind sauer, und die Berliner Bürger sind sowieso sauer. Proteststürme auf Webseiten und auf der Straße. Alle deutschen Medien beschäftigen sich gerade damit, Sie können sich eins aussuchen.

Süddeutsche Zeitung
Berliner Zeitung
Spiegel
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Zeit

Auch absurde Auswüchse sind dabei zu beobachten:
Die Welt

Wowereit, Berlins regierender Bürgermeister, hat sich auch schon eingeschaltet. Dass Wowereit ein Händchen für das Berliner Baugeschehen hat,
das weiß die Welt
seit Schönefeld.

Gerade ist ein Baustopp verhängt worden.

Ob das alles gut ist oder schlecht? Ich weiß es auch nicht. Die Sache ist kompliziert. Es geht nicht nur um die Brommybrücke, die sicherlich wieder aufgebaut wird. Es geht jetzt auch um Pläne, zwischen East Side Gallery und Spreeufer ein Haus mit Luxuswohnungen zu bauen. Der Bauherr braucht den Mauerabriss nicht, sagt er. Aber die Berliner wollen an dieser Stelle keine Luxuswohnungen. So vermischt sich alles.

Auf der Hand liegt allerdings eines: Gedanken darüber, dass man an einer solchen Stelle

mauern abbauen

keine Mauer einreißen kann, hat man sich nicht genug gemacht.
Vorher.

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