Manchmal habe ich wirklich großes Glück. Glück, wenn mir Lehrer oder Deutschlerner Arbeiten schenken, die sie über das Meyerbeer-Buch angefertigt haben. Besonders beeindruckend ist es, wenn sich die Leserinnen und Leser dabei in die Rolle einer meiner Figuren hineinversetzen. Und damit selbst zu Autorinnen und Autoren werden.

In Sevilla zum Beispiel haben die Studenten eine kleine Einladungskarte geschrieben. Für Frau Zebunke. Manche Studenten schrieben die Einladungskarte gleich unter ihrem eigenen Namen:

Nachbarn1

Manche fanden auch folgende Lösung:

Nachbarn2

Besonders bewegt hat mich aber diese Karte. Bitte achten Sie hierbei nicht nur auf die schöne Briefmarke, sondern auch auf die Unterschrift:

Nachbarn3

„Josefine“ und „Carlos“! Hier haben sich die Studenten schon richtig hineinversetzt in die Figuren! Gerade das finde ich wunderschön.

Noch einen Schritt weiter sind einige Kursteilnehmer im Goethe-Institut Madrid gegangen. Sie haben für ihre Lehrerin eine kleine Szene schreiben müssen, und zwar aus Sicht einer „meiner“ Figuren. Das Lesen dieser Texte hat mich sehr berührt! Denn ich sehe dann, wie diese Figuren ihr eigenes Leben bekommen haben, eben nicht mehr „meine“ sind.

Ich heiße Sandra Kluge und ich bin eine bekannte deutsche Oboen-Spielerin. Wegen meiner Familie war meine Geschichte mit Musik kein einfacher Weg, sondern kompliziert. […]
Normalerweise habe ich die Oboe mit meinem besten Freund Leander gespielt. Ich fühlte mich sehr wohl, wenn ich mit ihm die Oboe gespielt habe. Ich war in ihn verliebt. Das war der Grund, warum ich so viele Stunden die Oboe gespielt habe. Ich wollte auf ihn einen guten Eindruck machen, damit er sich in mich verliebte. […]
Leider ist er nach Köln gegangen und ich bin nach Weimar gefahren. […]
Jetzt muss ich praktizieren, weil ich nächste Woche in der Berliner Philharmonie spiele. Ich wünsche mir, einen eigenen Betrieb zu gründen, um jugendliche Leute Oboe zu lehren.

Ich finde es toll, dass Sandra Kluge in der Berliner Philharmonie spielt! Und dass sie eine eigene Musikschule aufmachen möchte! Das lese ich gern.

Viele dieser Arbeiten gingen am Ende aber doch um Frau Zebunke. Die gute Frau Zebunke! Jemand schrieb zum Beispiel über Frau Zebunkes Kindheit, die im Buch nicht erzählt wird:

Bis ich 8 Jahre alt war, ging ich nicht zur Schule. Ich musste meiner Mutter zu Hause helfen. Anderseits begann mein Bruder die Schule, als er 5 Jahre alt war. In dieser Zeit war es wichtiger, dass der Junge etwas lernen sollte, während die Mädchen nur einen Mann zum Heiraten suchen sollten.
Zum Glück sah meine Mutter, dass ihre Töchter etwas besseres als einen Mann zum Heiraten machen könnten, und deswegen gingen meine kleine Schwester und ich zur Schule.

Das ist doch sehr einfallsreich, oder?

Zum Abschluss noch ein anderer kleiner Text „von Frau Zebunke“:

Gestern war so ein schöner Tag! Die Nachbarn hatten ein Sommerfest organisiert. Trotzdem wusste ich nicht, dass es eine Überraschungsparty für mich war! Ich glaube, dass es Josefines Idee sein musste […] Sie ist so ein nettes Mädchen, die Josefine! […]
Danach spielte Sandra Kluge, die Oboistin ist, ein kleines Stück. Ich denke, dass die Musik sehr schön war (alle haben viel geklatscht), aber ich konnte es nicht gut hören. Vielleicht muss ich ein Hörgerät kaufen, obwohl ich denke, dass ich zu jung bin, um ein Hörgerät zu brauchen!
Ich habe auch ein schönes Geschenk bekommen. Einer der jungen Männer, der in Kunstschule studiert, hat eine kleine Skulptur aus Holz für mich gemacht. Ich bin sicher, dass Josefine ihm erzählt hat, dass ich Hühnergötter sammle… ah, die Josi, sie ist wirklich nett! […]
Heute hat sie mir erzählt, dass sie einen Job bei Frau Groschmann im Blumenladen gefunden hat. […]
Ich bin sehr, sehr glücklich, so wunderbare Nachbarn zu haben!

Und ich… ich bin wirklich sehr glücklich, so wunderbare Leser zu haben. So wunderbare Leser und Autoren! Meinen herzlichen Dank.

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